Das selten genutzte Zimmer im Winter fast gar nicht zu heizen klingt erst einmal sparsam. Sehr kalte Oberflächen können Feuchtigkeit allerdings schneller problematisch machen. Energiesparen und eine Wohnung komplett auskühlen lassen sind nicht unbedingt dieselbe Strategie.
Ich würde bei Schimmel inzwischen lieber einmal zu viel fotografieren und Datum, Raum und Luftfeuchtigkeit notieren als drei Wochen später darüber zu diskutieren, wie groß der Fleck am Anfang eigentlich war.
Die Ursache beweist das noch nicht.
Aber Erinnerung ist eine ziemlich schlechte Dokumentation.
Ein beschlagenes Fenster nach dem Duschen ist noch keine Schimmeldiagnose. Wenn morgens aber regelmäßig Wasser an Scheibe und Rahmen steht, würde ich die Luftfeuchtigkeit und das Lüften genauer anschauen. Manche Probleme kündigen sich erst als ziemlich unspektakuläre Tropfen an.
Ein großer Schrank passt optisch oft perfekt an die Außenwand. Bauphysikalisch kann genau dort aber ein ungünstiger kalter Bereich entstehen, wenn kaum Luft dahinter zirkuliert. Möbelplanung hat überraschenderweise manchmal auch mit Feuchtigkeit zu tun.
Manchmal sieht man Schimmel nicht zuerst.
Man merkt nur, dass ein Zimmer trotz Lüften irgendwie muffig riecht und beginnt irgendwann hinter Schrank, Bett oder Vorhang nachzusehen.
Eine Wand kann ziemlich lange unauffällig aussehen, wenn genau die problematische Stelle von einem Möbelstück verdeckt wird.
Fleck entfernen.
Weiße Farbe drauf.
Zwei Monate Ruhe.
Fleck wieder da.
Wenn eine Reparatur hauptsächlich dafür sorgt, dass das Problem kurz besser aussieht, war es vielleicht eher Kosmetik.
Bei Schimmel finde ich dieses sofortige Entweder-oder merkwürdig.
Entweder hat der Mieter falsch gelüftet oder das Gebäude ist schuld.
Ein Raum kann schlecht gedämmt sein und trotzdem davon profitieren, wie geheizt und gelüftet wird.
Eine komplizierte Ursache wird nicht klarer, nur weil beide Seiten möglichst früh einen Schuldigen brauchen.
Ein Schlafzimmer kann morgens feuchter sein als abends, obwohl niemand geduscht oder gekocht hat. Auch Menschen geben über Nacht Feuchtigkeit an die Raumluft ab. Deshalb ist intensives Lüften nach dem Aufstehen eine ziemlich unspektakuläre Maßnahme mit einem sehr konkreten Grund.